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Alt 14.12.08   #1
Agrippa
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Standard Andreas Vonderach - Anthropologie Europas

Autor:
Benutzer:Andreas_Vonderach Benutzer:Andreas_Vonderach
Titel: Anthropologie Europas - Völker, Typen und Gene vom Neandertaler bis zur Gegenwart
Preis: 39,90 €
Verlag: Ares Verlag
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Sachbuch
ISBN: 978-3-902475-52-7
Seiten: 448

Längere Zeit musste man warten, bis ein anständiges Buch wieder die humanbiologische Typologie der Breslauer Schule von Egon Frhr. v. Eickstedt aufgreift - hier ist es nun endlich und zwar ergänzt durch neue Erkenntnisse der Populationsbiologie und Genetik der letzten Jahre.

Der Autor läßt sich bei der Abhandlung der Themen auf wenig Wertungen und kaum spekulative Aussagen ein, sondern bleibt in den allermeisten Fällen auf dem Boden dessen, was bereits fix etabliert ist oder im Moment so angesehen werden könnte. Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit vielen Einzelthemen bleibt aufgrund des Umfanges natürlich sehr viel Raum übrig, welche aber durch ein sehr langes und ausführliches Zitatwerk und Literaturverzeichnis, praktisch aller relevanten Werke, leicht ermöglicht wird.
Als eine übersichtliche Grundlage zur Beschäftigung mit der humanbiologischen Variabilität in Europa ist das Werk sehr gut geeignet und auch als solches konzipiert worden.

In dieser Schrift von Andreas Vonderach kann man einen umfassenden Überblick über die biologische Geschichte Europas, vom Paläolithikum mit der ersten menschlichen Besiedlung, bis zur Gegenwart, jeweils natürlich immer nur soweit Daten vorhanden sind, gewinnen.

Es wird die Basis der Eickstedt'schen Typologie vorgestellt, welche sinnvoll aktualisiert wurde vom Autor, anhand der neuen Erkenntnisse, und deren relativer Wert und Schwächen werden offen thematisiert.

Geographisch wird neben Europa i.e.S. auch auf die Randgebiete, vor allem Zentralasien, die Kaukasusregion, Kleinasien, z.T. den Nahen Osten und Nordafrika eingegangen.

Es gibt dann auch, was einige hier vielleicht am meisten interessieren dürfte, eine Beschreibung der verschiedenen europäischen Staaten bzw. Völker und deren anthropologischer Merkmalsdifferenzierung. Das Buch ist dabei im wahrsten Sinne des Wortes "bevölkerungsgeschichtlich", weil man in den einzelnen Kapiteln auch eine ganze Menge über die biologisch relevanten vorgeschichtlichen und geschichtlichen Fakten erfährt, was viele Leser so wahrscheinlich noch nie gehört haben werden.

Wie üblich kann ich natürlich auch Kritikpunkte finden, die jedoch im Wesentlichen nur Details betreffen, sowie einzelne Aussagen oder aber termini und Erkenntnisse der Genetik, die vielleicht nicht mehr ganz aktuell sind, was aber in diesem Bereich auch schwierig ist, da man hier eigentlich nur online und in Zeitschriften Schritt halten kann. Monographien können das eigentlich auch gar nicht, da sich schon allein die Unterteilungen der Haplogruppen oftmals innerhalb weniger Wochen, durch neue bahnbrechende Studien, wieder ein wenig ändern und verfeinern können.

Man sollte auch über manche umstrittene Themen noch länger diskutieren, als es in diesem Buch möglich ist und ich würde zum Teil auch andere Positionen beziehen im Einzelfall, aber als Autor muss man hier natürlich vieles berücksichtigen und sich selbst beschränken, sowie letztlich eine Position beziehen, von der man glaubt sie vertreten zu können. Ich hätte etwa gerne eine Position vertreten gesehen, welche die Typen noch stärker als Spezialisierungen, Anpassungsformen begreift, die oftmals nur sekundär (im gleichen Klima zumindest) an einen geographischen Raum und vielfach mehr durch die Lebensweise bestimmt sind (vgl. vor allem Hirten vs. Ackerbauern). Das kam zwar auch zum Tragen (Brachykephalisationstendenz, "brachymorphe Überformung" in Zentralfrankreich, Transhumanz, Viehwirtschaft im Gebirge und die Dinarisation etc.), aber doch nicht ganz so, wie ich glaube, dass es für die Zukunft dieser Forschungsrichtung zuträglich wäre.

Ein weiteres kleines Problem ist vielleicht auch, dass ich in manchen Kapiteln dein Eindruck hatte, dass der Autor einiges an Vorwissen voraussetzt. Das ist natürlich auch gerechtfertigt und Vonderach versucht alles so einfach und klar zu erklären wie es geht, wenn er meint dies wäre notwendig, aber bei manchen Bereichen wird einem unkundigen Leser doch einiges abverlangt. Ein schön gemachter Glossar am Ende des Buches hilft hier zwar ein wenig ab, aber es ist wohl auch unumgänglich das jeder Einsteiger in die Thematik zuerst einmal eine Menge neuer Fachbegriffe und Methoden kennenlernt.

Summa summarum eine Arbeit zu der man den Autor nur beglückwünschen kann und für die man ihm, angesichts des enormen Quellenmaterials, welches in sie eingeflossen ist, auch dankbar sein muss. Ich kann auch sagen, dass es wohl das Buch der anthropologischen Literatur ist, welches versucht einen Überblick herzustellen, wo ich die wenigsten Kritikpunkte anbringen konnte, da doch der allergrößte Teil dessen, was ich in vergangenen oder aktuellen Werken vermissen musste, eingebracht wurde.

Daher sowohl für laienhafte Einsteiger genauso wie fortgeschrittene Laien mit Fachwissen und auch wissenschaftlich tätige Fachkräfte, eine absolute Kaufempfehlung.

Erste können damit ein sehr viel besseres Verständnis für die biologischen Grundlagen Europas entwickeln, wenn sie sich auch auf einen gewissen Anspruch einstellen müssen und für Letztere vor allem auch deshalb, weil sie angesichts der Argumente und sachlichen Darstellung ihre Position der typologischen Forschung gegenüber noch einmal überdenken sollten - wenn Sie tatsächlich wissenschaftlich denken und arbeiten, sich am Faktischen orientieren wollen.

Ich hoffe dieses Buch wird noch einige Auflagen mehr haben und vielleicht kommt ja sogar noch eine aktualiserte Version heraus, in der dann die allerneuesten genetischen Erkenntnisse noch einmal einfließen - denn wie schon erwähnt, hierbei tut sich eigentlich ständig etwas und alle paar Wochen gibt es neue, manchmal auch für das Verständnis der europäischen Biohistorie durchaus relevante Ergebnisse.

Für alle Interessierten ein absolutes Muss und für alle anderen ein Buch das, bei grundsätzlich vorhandener Neugier und Wissensdurst, Interesse zu erwecken vermag.
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Geändert von Agrippa (14.12.08 um 13:34 Uhr)
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Alt 15.12.08   #2
Nordgau
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Standard AW: Andreas Vonderach - Anthropologie Europas

Ich habe ebenfalls eine längere Besprechung dieses Buches vorbereitet. Nach einer Stichwortsuche sehe ich, daß Agrippa dankenswerterweise bereits einen Faden dazu entsponnen hat. Ich habe das Werk letzte Woche erworben und sogleich gelesen, nachdem Agrippa mich schon vor einigen Wochen auf diese kommende Neuerscheinung hingewiesen hatte. Der Autor Andreas Vonderach war mir bereits durch seine Beiträge in der "Jungen Freiheit" und in "Sezession" bekannt.

Die Neuerscheinungen auf dem Feld der Anthropologie oder - scheuen wir das Wort nicht - der Rassenkunde halten sich ja durchaus im Bereich des Überschaubaren. Um so gespannter ist man dann, wenn eine solche ansteht. ich kann vorweg sagen, daß die bescheidenen Erwartungen, die ich auf das, was V. liefern würde, hatte, nicht nur erfüllt, sondern bei weitem übertroffen worden sind.

"Anthropologie Europas. Völker, Typen und Gene vom Neandertaler bis zur Gegenwart". - Taucht das Wort "Rasse" im Titel nicht auf, wird man nach dem Aufschlagen des Buches bald befriedigt vermerken, daß der Verfasser in dieser Hinsicht alles andere als schüchtern ist und aus dem vollen schöpft. Will er den Terminus "Rasse" auch für die großen Rassenkreise reserviert sehen, zeigt das Buch keine Verbeugungen und Verbiegungen vor politischer Korrektheit. Der pflichtschuldige Hinweis auf die Belastungen, die das Fach wegen der "Rassenideologie der Nationalsozialisten" habe (S. 10), macht's nicht wirklich.

Das 1. Kapitel handelt von den kennzeichnenden Strukturen und Merkmalen der "europäischen Kultur". Diese bestehen laut V. in einem spezifischen Hang zu Realismus und Individualismus. Europas Durchbruch zur "Moderne" sieht er als historisch einmaligen Prozeß aus einer "hoch unwahrscheinlichen Kombination begünstigender Faktoren" (S. 14) erwachsen. - Es steht dieses Kapitel etwas beziehungslos am Anfang des Buches, danach geht es weiter mit den wichtigsten Faktoren und Prozesse der Rassenevolution. Man kann fragen, ob die Herausarbeitung der speziellen Merkmale der europäischen Kultur nicht besser an späterer Stelle aufgehoben gewesen wäre und ob sie nicht im Zusammenhang mit der Frage nach der speziellen psychischen Beschaffenheit des europäischen Menschen hätte gestellt werden sollen.

Diese Frage zu stellen, scheut sich V. nämlich keineswegs - von den "psychologischen Rassenunterschieden" handelt das 5. Kapitel. Der Autor betont hier, daß die Existenz solcher Unterschiede aus biologisch-theoretischer Position plausibel und wahrscheinlich ist, auch wenn ihr empirischer Nachweis im einzelnen nicht leicht ist. V. weist hier vor allem auf Studien über Verhaltensunterschiede zwischen europiden, negriden und mongoliden Säuglingen hin. Diese deuteten auf grundlegende psychische Unterschiede hin, welche sich durch Unterschiede in Art und Ausmaß des Selektionsdrucks bei der Entwicklung dieser Rassen erklären ließen.

V. wird später noch ins Detail gehen, wenn er im 15. Kapitel "Temperamentsunterschiede in Europa" auszuloten versucht. Solche sieht er gegeben zwischen dem Westen und dem Osten, vor allem aber zwischen dem Norden und dem Süden, zwischen nordeuropäisch-nordider Inverson und südeuropäisch-mediterranider Extraversion (dazu wird die schon von Schwidetzky bekannten Studie von Arrowsmith ausgewertet). Gelegentlich kommt er auf innereuropäische "Temperamentsunterschiede" auch andernorts zu sprechen, z. B. S. 328 mit Verweis auf Lundman auf einen zwischen nordisch und dalisch.

V. beschränkt sich beim Thema Rassenpsychologie auf Hinweise und Andeutungen. Sicherlich könnte man hier noch viel tiefer bohren, nicht zuletzt hat ja derjenige, in dessen Tradition V. sich hauptsächlich stellt, dazu eine Monographie verfaßt. Um das Thema und alles, was damit zusammenhängt, in gebotener Breite und Tiefe seriös abzuhandeln, müßte man aber ein umfangreiches eigenes Werk verfassen. V. kann es in seiner Darstellung nur anschneiden.

Von Völker- und Bevölkerungsbiologie handelt das 3. Kapitel. Das Wesentliche, was es hierzu zu sagen gibt, findet sich hier geschickt zusammengefaßt, angesichts der Bedeutung, die zumindest ich den hier behandelten Themen beimesse, vielleicht etwas zu knapp. Wer das ausführlicher haben will, muß zu den Werken von Schwidetzky u. a. greifen. - Gut, aber gleichfalls knapp sind auch die Ausführungen zum Typusbegriff S. 22f. (auch S. 188f.).

Ab dem 6. Kapitel geht es dann los mit der eigentlichen biologischen Geschichte Europas. V. plädiert vorsichtig für eine Annäherung zwischen den beiden entgegengesetzten Modellen von "Out of Africa" und der multiregionelen Entstehung. Einen Einfluß des Neandertalers bei der Entwicklung des modernen Menschen möchte V. zumindest nicht völlig ausschließen, entsprechend spricht er auch immer von "Homo sapiens sapiens".

Mit Spannung liest man V.s Stellungnahme zum Indogermanenproblem. Nach der Erörterung verschiedener Herkunftshypothesen und der Befunde der verschiedenen Fachwissenschaften sieht der Autor den Kern des Indogermanentums in dem Berecih angesiedelt, der sich von den mitteleuropäischen Schnurkeramikern zu den Kurganleuten erstreckt. Seien die Schnurkeramiker vielleicht erst sekundär indogermanisiert worden, so wohl mehr sprachlich und kulturell als genetisch-biologisch; jedenfalls sei ein solcher Einfluß nicht erkennbar. Auch wenn die einfache Identifikation der frühen Indogermanen mit den heutigen Nordiden nicht ohne Probleme sei, hebt V. doch den hellen, nordeuropiden, zumindest nordoiden Charakter des ursprünglichen Indogermanentums hervor (die Schnurkeramiker werden als "proto-nordid" bezeichnet, vgl. S. 81 u. 95), der auch in den älteren Schriftzeugnissen deutlich werde. (Mit Blick auf S. 98, Anm. 23, wo die Textzusammenstellung von Sieglin erwähnt wird, muß allerdings darauf hingwiesen werden, daß Sieglin keineswegs behauptet, daß die "hohen Prozentangaben", die er aus der literarischen Überlieferung für helle Pigmentation erhält, für die gesamten jeweiligen Völker gelten müßten.)

Den größten Teil des Buches nehmen schließlich die zwei ausführlichen anthropologischen Querschnitte durch alle Länder und Völker Europas ein, zum einen für die Periode von der Bronzezeit bis zum Frühmittelalter, schließlich aber für die heutigen Verhältnisse, für die Völker in ihrer modernen Gestalt. Man kann hier kaum auf die vielen Details der Darstellung eingehen, es sei aber gesagt, daß bei aller Einzelkritik, die man bei der Fülle des vorgebrachten und ausgewerteten Materials sicherlich üben kann, ich in den Ausführungen zur Biohistorie und dem anthropologischen Charakter der Völker Europas im Grunde nichts Wichtiges und Wesentliches gefunden habe, wogegen ich lautstark Protest erheben wollte, weil ich das entschieden anders sähe. Die vorsichtig abwägende und gewichtende Vorgehensweise des Verfassers, der sich vor Schnellschüssen hütet und nirgendwo plötzlich mit unsinnigen oder an den Haaren herbeigezogenen Thesen und Behauptungen hervorkommt (was man ja auch in guten Werken von kompetenten Verfassern oft sieht), ist überaus befriedigend.

Interessant ist V.s unkonventionelle Einschätzung von Frankreich als vorwiegend mediterran, nicht alpin (S. 257f, auch schon S. 136). Die früher angenommene starke Präsenz von Alpiniden in Frankreich hält er für fraglich, neuerdings konstatierbare Debrachycephalisierungsvorgänge ließen dieses Bild wanken. Überhaupt stellt er die Wertigkeit der Brachycephalie für die alpine Rasse etwas in Frage und äußert unter Verweis auf Debrachycephalisierungstendenzen auch andernorts Zweifel an Umfang und Stärke alpinider Verbreitung. Auf der Basis von Schädeldaten aus Arbeiten von Schwidetzky hat V. S. 286f. ein recht interessantes Dendogramm erstellt, das die Abstände zwischen europäischen Bevölkerungen anzeigt, was nur die Maße des Gesichts angeht, aber Länge und Breite des Hinterkopfs einmal unberücksichtigt läßt.

In bezug auf Frankreich kommt V. übrigens noch auf eine konstante spanische Einwanderung zu sprechen, die bislang wenig bemerkt worden sei, aber im Laufe der Zeit einen bedeutenden Umfang erreicht haben muß. (Was den S. 257 abgebildeten "jungen Franzosen von mediterranem Typ" angeht, glaube ich übrigens, daß die Eltern oder Großeltern des Kerls noch auf der anderen Seite des Mittelmeers hockten.)

Die Zahl von 200.000, die S. 286 als Zahl der während der Hochzeit der mittelalterlichen Ostsiedlung im 12. und 13. Jahrhundert "jährlich" (!) von Westen Abgewanderten angegeben wird, kann nicht richtig sein. Im Anmerkungsteil wird hierfür auf eine Studie des großen Historikers Walter Kuhn verwiesen. Ich kenne die angegebene Arbeit Kuhns nicht, aber es scheint mir ziemlich klar, daß hier ein Fehler bei der Informationsübernahme vorliegt. Ich erinnere mich, in einem Werk zur Ostsiedlung (ich glaube bei Higounet) selber auch einmal die Zahl 200.000 gelesen zu haben - aber mit Sicherheit nicht als Zahl derer, die jährlich abwanderten, selbst auch nur in einem engeren Zeitraum. Es dürfte eher die Zahl für einen größeren Zeitraum oder aber die Gesamtzahl für ein bestimmtes Ab- oder Einwanderungsgebiet gewesen sein.

Man muß hier vielleicht darauf hinweisen, daß bei der deutschen Ostsiedlung - gnaz ähnlich wie bei der amerikanischen Westwanderung später - ein großer, wenn nicht sogar der größte Teil derer, die ein neues Gebiet besiedelten, keineswegs von ganz entfernt aus dem Altsiedelland gekommen war, wie man sich das vielleicht denkt. Was in das neue Land weitergegeben wird, ist vielmehr schon wieder in weitem Umfang der Überschuß aus den angrenzenden, von der letzten Generation erst besiedelten Gebieten. Dies erweist den hohen volksbiologischen, geradezu "multiplikatorischen" Wert, den ein sich anschließender weiter Kolonisationsraum für ein gesundes und vermehrungsfreudiges Bauernvolk haben kann.

S. 298f. betont V. entgegen allzu relativierenden Anschauungen, daß die germanisch-romanische Sprachgrenze, wie sie sich im Westen herausgebildet hatte, wohl durchaus in starkem Maße Siedlungsgrenze war, was in der rassischen Prägung der Bevölkerungen hüben und drüben noch immer nachwirke.

Dafür, daß die Budapester Stadtbevölkerung genetisch "eine besondere Nähe zu deutschen und slawischen Bevölkerungen" aufweist, muß man nicht einmal eine auch nichtungarische Zuwanderung in Anspruch nehmen, die in diese Stadt im Habsburgerreich "offensichtlich" stattgefunden habe (S. 322). Ofen und Pest waren schließlich seit alters deutsch geprägte Städte, das deutsche Bürgertum blieb noch bis weit ins späte 19. Jahrhundert das führende Element, war aber nach dem deutsch-ungarischen Ausgleich in der Donaumonarchie einer so rücksichtslosen wie erfolgreichen Magyarisierung ausgesetzt.

In dem Buch finden sich auch Kapitel über Zigeuner und Juden, letztere werden (wegen ihrer früheren Verbreitung) zwischen Ost- und Südosteuropa eingeschoben.

Das Buch enthält eine wahre Fülle von Informationen, zahlreiche Karten (meist aus älteren Werken), Diagramme und andere Abbildungen machen die Darstellung sehr "anschaulich". Wer mit den Werken von Eickstedt, Schwidetzky oder Keiter vertraut ist - um einige Autoren zu nennen, auf die V. sich oft bezieht -, wird der Darstellung vielleicht nicht wirklich grundsätzlich Neues entnehmen. Der Wert des Buches liegt nicht so sehr in der Entfaltung von Neuem und Eigenem, sondern in der intelligenten Zusammenschau und Diskussion des Vorhandenen. V. zeigt eine profunde Literaturkenntnis, in den Anmerkungen finden sich sehr viele Verweise auf, oft auch entlegene, Spezialliteratur. Wenn das "Eklektizismus" ist, dann einer von der wünschenswertesten Sorte. enn es ist ja mehr als nötig, daß das ignorierte, vergessene, verschmähte Alte wiederentdeckt, in dei Diskussion eingebracht und mit neuen Erkenntnissen verbunden wird.

Leider hat das Buch kein seitenweisendes Autoren- und Stichwortregister, eine ausführliche Inhaltsgliederung macht das einigermaßen wett. In dem Verzeichnis der wichtigsten Literatur fehlt merkwürdigerweise das Europabuch von Coon, das man ja kritisch sehen mag, das aber doch neben den Werken von Eickstedt und Biasutti eines der wichtigeren Werke zum Thema ist.

Die Darstellung ist wohl allgemein verständlich, aber nicht übermäßig - oder unnötig - "popularisierend" (im übrigen bevorzugt V. die hergebrachte deutsche Terminologie: Indogermanen statt Indoeuropäer, DNS statt DNA). Ich könnte mir aber auch vorstellen, daß ein Laie, der von der ganzen Sache nur wenig oder gar keine Ahnung hat, vielleicht trotzdem überfordert ist. Die "europäischen Subtypen" zum Beispiel werden erst nach fast 200 Seiten grundsätzlich und im Überblick beschrieben (diese Tatsache fiel mir erst dann überhaupt auf, als ich zu diesem Kapitel kam), obgleich bereits vorher in der Diskussion von geschichtlichen Bevölkerungen allenthalben von ihnen die Rede ist.

In einem "Ausblick" behandelt V. am Ende die Schwierigkeiten, die es bereitet, Erbinformationen aus den Überresten vergangener Bevölkerungen zu gewinnen und daraus Schlüsse auf bevölkrungsbiologische Prozesse zu ziehen. Diese Betrachtungen wären vielleicht in den Grundlagen- und Methodenkapiteln zu Beginn des Buches besser aufgehoben gewesen. In dem Schlußkapitel hätte man vielleicht eher auf die fundamentalen Änderungen zu sprechen kommen sollen, die die Bevölkerungen Europas jetzt und in Zukunft wegen ihrer demographischer Lage, der neuen Masseneinwanderung etc. durchmachen. Auf diese kommt V. in der Mitte des Buches kurz zu sprechen (S. 177f.). Es ist wahrscheinlich ganz gut, daß das Buch nicht übermäßig "politisch" geworden ist, ein Buch über die Anthropologie Europas hat schon ohne viel Zutun politischen Sprengstoff genug in sich. Aber es hätte doch nahegelegen, nach dem Überblick über die biologische Vergangenheit und Gegenwart der Völker Europas einen Ausblick auf ihre biologische Zukunft zu wagen.

Insgesamt hat Andreas Vonderach so ein schönes und wichtiges Buch geschrieben. Auf der üblichen politischen Seite wird es erwartbar auf entschiedene Ablehnung stoßen, sofern es nicht einfach totgeschwiegen wird. Ein Buch für Agrippas und alle, die es werden wollen. Als Einführung und Überblick zum Thema wird man die "Anthropologie Europas" in Zukunft an erster Stelle zu nennen haben.

S. 383 ist übrigens Dienekes erwähnt (vgl. auch S. 424, Anm. 295). Hast Du gesehen, Agrippa?
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Agrippa
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Standard AW: Andreas Vonderach - Anthropologie Europas

Zitat:
Die Zahl von 200.000, die S. 286 als Zahl der während der Hochzeit der mittelalterlichen Ostsiedlung im 12. und 13. Jahrhundert "jährlich" (!) von Westen Abgewanderten angegeben wird, kann nicht richtig sein. Im Anmerkungsteil wird hierfür auf eine Studie des großen Historikers Walter Kuhn verwiesen. Ich kenne die angegebene Arbeit Kuhns nicht, aber es scheint mir ziemlich klar, daß hier ein Fehler bei der Informationsübernahme vorliegt. Ich erinnere mich, in einem Werk zur Ostsiedlung (ich glaube bei Higounet) selber auch einmal die Zahl 200.000 gelesen zu haben - aber mit Sicherheit nicht als Zahl derer, die jährlich abwanderten, selbst auch nur in einem engeren Zeitraum. Es dürfte eher die Zahl für einen größeren Zeitraum oder aber die Gesamtzahl für ein bestimmtes Ab- oder Einwanderungsgebiet gewesen sein.
Das Thema Ostsiedlung ist ja ein Studienobjekt für sich, über welches die Meinungen bisweilen extrem auseinandergehen.

Die meiner Meinung nach viel zu niedrige Zahl von 200.000 Siedlern aus den Altsiedelgebieten mit einer Durchschnittsrate von 2.000 Siedlern pro Jahr habe ich allerdings auch schon öfter gelesen.

Bei einer schnellen Suche im I-net kam ich auf das hier:
http://books.google.at/books?id=TbcU...um=2&ct=result

Wenn es um die Siedlerströme geht, dann gehen die Meinungen ähnlich weit auseinander wie bei regionalen Schätzungen über den Anteil der vordeutschen und deutschen Neusiedlerbevölkerung.

Dienekes ist sogar mit einer seiner Studien zitiert worden - ja ist mir aufgefallen mit dem Hinweis auf den "informativen Blog".

Wer dieser Tage durch's Internet stöbert bzw. sich durchaus wissenschaftlich mit verschiedenen Themen befaßt stößt ganz automatisch auf bestimmte Seiten, per Google bzw. anderen Suchmaschinen oder Verlinkungen früher oder später sicher auch auf Skadi, Thiazi und Stirpes so nebenbei - mehr oder weniger "ab- oder unabsichtlich".

Ist Dir übrigens auch seine (Über-?) Betonung der Deckfalte aufgefallen? Ich glaube ich selten in einem Buch so häufig darauf Bezug nehmen sehen, zumal, soweit ich mich entsinne, doch relativ wenige statistische Daten über dieses Merkmal vorliegen.

Es als eher paläolithisch und stärker mit dem cromagnoiden Spektrum verbunden zu sehen macht glaube ich Sinn, genauso wie eine geringere Häufigkeit in neolithisch-nahöstlich geprägten Gebieten und Varianten anzunehmen.

Aber wie gesagt, dass geht dann schon mehr in eine Detaildiskussion über, in der man auch über manche Schätzungen von Typenanteilen in verschiedenen Populationen diskutieren müsste...
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Standard AW: Andreas Vonderach - Anthropologie Europas

Zitat:
Zitat von Agrippa Beitrag anzeigen
Das Thema Ostsiedlung ist ja ein Studienobjekt für sich, über welches die Meinungen bisweilen extrem auseinandergehen.

Die meiner Meinung nach viel zu niedrige Zahl von 200.000 Siedlern aus den Altsiedelgebieten mit einer Durchschnittsrate von 2.000 Siedlern pro Jahr habe ich allerdings auch schon öfter gelesen.
Ich halte 200.000 als Gesamtzahl auch für zu niedrig - als Zahl der jährlich nach Osten abströmenden Siedler, selbst nur für eine enger eingegrenzte Hochphase, scheint mir das aber klar zu hoch.

Das hieße ja, daß allein binnen zehn Jahren 2 Millionen mit Sack und Pack nach Osten gewandert wären! Das ist eine ganz gewaltige Summe, wenn man bedenkt, wie viele Menschen in Deutschland zu dieser Zeit überhaupt lebten. Die Ostsiedlung vollzog sich aber in Jahrhunderten.

Zum Vergleich hier eine Graphik, die die Zahl der in moderner Zeit in Amerika eingewanderten Menschen zeigt. Im 19. Jahrhundert, als die europäische Auswanderung in die Neue Welt auf vollen Touren lief, waren es selten mehr als 500.000, die jährlich in Amerika einwanderten, meist aber deutlich weniger. Wir reden hier aber von ganz anderen Dimensionen als bei der deutschen Ostsiedlung im Mittelalter. Hier war praktisch ganz Europa einbezogen, und einzelne Länder waren schon viel volkreicher als Deutschland im Mittelalter.



Ich werde aber jene Studie von Kuhn, auf die Vonderach Bezug nimmt, einmal ansehen. Das interessiert mich jetzt doch, was der dort schreibt.

Vonderachs eigene Erkenntnisse zum alten Ostdeutschland aufgrund der Daten von den westfälischen Vertriebenen fand ich übrigens nicht uninteressant. Im Anmerkungsteil verweist er auch auf einen ziemlich neuen Aufsatz, wo er das in aller Länge ausgeführt hat.

Zitat:
Dienekes ist sogar mit einer seiner Studien zitiert worden - ja ist mir aufgefallen mit dem Hinweis auf den "informativen Blog".

Wer dieser Tage durch's Internet stöbert bzw. sich durchaus wissenschaftlich mit verschiedenen Themen befaßt stößt ganz automatisch auf bestimmte Seiten, per Google bzw. anderen Suchmaschinen oder Verlinkungen früher oder später sicher auch auf Skadi, Thiazi und Stirpes so nebenbei - mehr oder weniger "ab- oder unabsichtlich".
Wäre vielleicht zuviel verlangt, wenn er in seinem Buch lobend auf Thiazi verwiese. Da würde er selber den Nagel liefern, mit dem ihn die "Korrekten" ans Kreuz schlagen würden.

Zitat:
Ist Dir übrigens auch seine (Über-?) Betonung der Deckfalte aufgefallen? Ich glaube ich selten in einem Buch so häufig darauf Bezug nehmen sehen, zumal, soweit ich mich entsinne, doch relativ wenige statistische Daten über dieses Merkmal vorliegen.

Es als eher paläolithisch und stärker mit dem cromagnoiden Spektrum verbunden zu sehen macht glaube ich Sinn, genauso wie eine geringere Häufigkeit in neolithisch-nahöstlich geprägten Gebieten und Varianten anzunehmen.

Aber wie gesagt, dass geht dann schon mehr in eine Detaildiskussion über, in der man auch über manche Schätzungen von Typenanteilen in verschiedenen Populationen diskutieren müsste...
Hm, ja, ist mir beim Lesen jetzt nicht so aufgefallen, aber er verweist tatsächlich öfter darauf, jetzt, wo Du's sagst. Kann sein, daß ihm Keiter diesen Floh ins Ohr gesetzt hat, der hatte ein Faible für die Erfassung von solchen morphognostischen Merkmalen des Gesichts.
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Standard AW: Andreas Vonderach - Anthropologie Europas

Hallo Agrippa, servus Nordgau,

vielleicht kann ich Euch weiterhelfen.
Zitat:
Zitat von Nordgau
Ich werde aber jene Studie von Kuhn, auf die Vonderach Bezug nimmt, einmal ansehen. Das interessiert mich jetzt doch, was der dort schreibt.

Ich gehe mal davon aus, es handelt sich um Kuhns „Die Siedlerzahlen der deutschen Ostsiedlung“ aus „Studium Sociale – Ergebnisse sozialwissenschaftlicher Forschung der Gegenwart, Hrsg.: K. G. Specht u. a.“

Dort heißt es bezüglich der direkten Siedlerzahlen:
Zitat:
Zitat von Walter Kuhn
„Es waren also rund 200 000 deutsche Bauern, die im 12. Jahrhundert die Ostsiedlung über die Elbe-Saale ins Rollen brachten. Im 13. Jahrhundert mag ihnen eine Zahl gleicher Größenordnung gefolgt sein.“

Kuhn geht also von rund 400 000 direkten Siedlern bis zum Ende des 13. Jahrhunderts aus. Bis zur Mitte des 14. Jahrhundert ebbte die direkte Siedlerbewegung langsam ab.
Zitat:
Zitat von Nordgau
Man muß hier vielleicht darauf hinweisen, daß bei der deutschen Ostsiedlung - gnaz ähnlich wie bei der amerikanischen Westwanderung später - ein großer, wenn nicht sogar der größte Teil derer, die ein neues Gebiet besiedelten, keineswegs von ganz entfernt aus dem Altsiedelland gekommen war, wie man sich das vielleicht denkt. Was in das neue Land weitergegeben wird, ist vielmehr schon wieder in weitem Umfang der Überschuß aus den angrenzenden, von der letzten Generation erst besiedelten Gebieten. Dies erweist den hohen volksbiologischen, geradezu "multiplikatorischen" Wert, den ein sich anschließender weiter Kolonisationsraum für ein gesundes und vermehrungsfreudiges Bauernvolk haben kann.
Auf genau diesen Punkt zielt Kuhns Aufsatz ab:
Zitat:
Zitat von Walter Kuhn
„Die Bevölkerungsdichte der slawischen Territorien stieg durch die Ostsiedlung durchschnittlich auf das Fünffache. [Anm.: Das würde einem Slawenanteil von ca. 20% gegen Ende der Kolonisation entsprechen.] Auch hier konnte sich daher die deutsche Bevölkerungsbewegung auf eine weitgehende Ausnutzung der biologischen Möglichkeiten umstellen.
Daß die mittelalterliche Siedlung in ihrem späteren Verlauf großteils aus der Eigenvermehrung ihrer Menschen gespeist wurde und in fortlaufenden Ketten von Tochtersiedlungen erfolgte, hat die regionale Forschung in einer Reihe jüngerer Arbeiten sichergestellt.[...]

Der schon im 12. Jahrhundert deutsch gewordene Markenstreifen von der Ostsee bis zum Fichtelgebirge, zwischen der Grenze des altdeutschen Landes und der Linie Schwerin-Spandau-Dresden im Osten, erscheint so nicht nur als das Ausgangsgebiet des großen Ostzuges, in dem die fortan geltenden Wirtschafts- Sozial und Rechtsformen zu Reife entwickelt wurden, sondern auch menschenmäßig als Brunnenstube der großen Siedlungswelle des 13. und 14. Jahrhunderts. Zahlenmäßig ist es ist es ohne weiteres möglich, dass allein von diesem Streifen aus die nach 1200 erschlossenen deutschem Ostgebiete besiedelt wurde.“
Eine Zwischenbilanz:
Zitat:
Zitat von Walter Kuhn
„Das ergäbe für das im 13. Jahrhundert besiedelte Gebiet 1 350 000 Einwohner, von denen aber nicht viel mehr als 1 Million Deutsche waren.[...]

Das entscheidende Einsatzgebiet der mittelalterlichen ostdeutschen Siedlung war also der im 12. Jahrhundert erschlossene Streifen von der Elbe-Saale bis Schwerin-Spandau-Dresden.“
Zusammenfassend:
Zitat:
Zitat von Walter Kuhn
„Nicht die drängende Übervölkerung erzwingt sich neuen Raum, sondern der freie Raum lockt zur Füllung die Menschen an, er schafft sich sein Volk. „Freier Raum“ muß dabei nicht eine menschenleere Fläche sein, es kann auch ein zusätzlicher Lebensraum sein, der in schon besiedelten Ländern durch bahnbrechende agrartechnische oder industrielle Neuerungen gewonnen wird. In der mittelalterlichen deutschen Ostsiedlung kam beides zusammen, die Fülle der westlichen Neuformen in Wirtschaft und Recht, und die dünn oder gar nicht besiedelten Flächen im Osten. [...]
Hauptträger waren die räumlich nächsten, die unmittelbaren Grenzstämme der Holsten, Ostfalen, Thüringer und Mainfranken, dann einige Gruppen aus dem äußersten Westen wie die Flamen und Holländer, weil sie besonders ausgeprägte Siedlerleistungen aufzuweisen hatten.
Von ihnen ging die Bildung der der ostdeutschen Neustämme aus. Daß diese so schnell einen eigenen Stammescharakter gewannen, ist bei der Entstehung aus kleineren, schnell wachsenden Kernen leichter zu verstehen, als wenn durch lange Zeit Nachschub aus verschiedenen Teilen Deutschlands gekommen wäre. [...]
Eine Reihe aufeinander folgender Tochtersiedlungen, die immer wieder die Unternehmungslustigsten und Wagemutigsten hinausführen und zu neuen Gemeinden verbinden, hat naturgemäß eine starke selektive Wirkung.“
Interessant ist auch, dass neben anderen auch Dänen und Schotten an der Ostsiedlung beteiligt waren. Besonders in Vorpommern gab es eine starke dänische Komponente:
Zitat:
Zur rügischen und pommerschen Eigenart der hochmittelalterlichen Siedlung, gehörte die bäuerliche Migration aus Skandinavien, vor allem aus Dänemark, darunter auch aus dem damals dänischen Schonen. Die Dänen spielten eine besonders große Rolle während der Kolonisation des Fürstentums Rügen [Anm.: Es handelt sich hierbei nicht nur um die Insel Rügen, sondern auch um weite Teile des vorpommerschen Festlandes.] Neben Greifswald gab es ein dänisches Wiek. In den Gütern des nahe gelegenen Zisterzienserklosters Eldena durften die Siedler Krüge entweder deutschen, slawischen oder zu dänischem Recht besitzen.[ Quelle ]
Es ist unklar wie stark die germanischen Elemente waren, die in die elbslawischen Stämme „eingesickert“ sind. Dazu ein Beispiel von Rudolf Kötzschke aus „Deutsche und Slaven im mitteldeutschen Osten“:
Zitat:
Zitat von Rudolf Kötzschke,"Die Völkertafel Germaniens in der angelsächsischen Orosius Bearbeitung aus der Zeit König Alfreds von England"
„Die Angaben über die Wilzen-Heveller (um Brandenburg) und Abodriten (Mecklenburg) fügen sich in die sonst bekannte räumliche Ordnung passend ein; die Namen jener sind vorslawisch, entstammen schon den Zeiten germanischen Besiedlung.“

Kötzschke geht ausführlicher auf die Daleminzier ein, was aber hier zu weit führen würde.
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Geändert von Dieter (17.12.08 um 17:31 Uhr)
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Hallo Agrippa, servus Nordgau,

vielleicht kann ich Euch weiterhelfen.

Ich gehe mal davon aus, es handelt sich um Kuhns „Die Siedlerzahlen der deutschen Ostsiedlung“, aus „Studium Sociale – Ergebnisse sozialwissenschaftlicher Forschung der Gegenwart, Hrsg.: K. G. Specht u. a.“
Ja, dem meine ich. Ich habe mir ihn gerade erst selber besorgt, aber noch nicht gelesen.

Zitat:
Dort heißt es bezüglich der direkten Siedlerzahlen:

Kuhn geht also von rund 400 000 direkten Siedlern bis zum Ende des 13. Jahrhunderts aus. Bis zur Mitte des 14. Jahrhundert ebbte die direkte Siedlerbewegung langsam ab.
Je 200.000 direkt aus dem Altsiedelland fürs 12. und 13. Jahrhundert schätzt er also, wenn ich ihn recht verstehe. In großen Gebieten Hinterpommerns und in Preußen sogar in den größeren Teil des Landes sind deutsche Siedler überhaupt erst im 14. Jahrhundert eingerückt, muß man da bemerken. Die Siedler dürften hier aber wahrscheinlich überwiegend aus den erst frisch besiedelten Nachbargebieten gestammt haben.

Kuhns Bilanz berücksichtigt wohl nur die mittel- und niederdeutsche Ostsiedlung, die im hohen Mittelalter einsetzte. Man darf darüber allerdings nicht die bairische Ostsiedlung vergessen, die bereits früher, vom 8. bis zum 11. Jahrhundert stattfand und durch die dem Oberdeutschtum umfangreiche Gebiete gewonnen worden sind.



Zitat:
Zitat von Walter Kuhn
Nicht die drängende Übervölkerung erzwingt sich neuen Raum, sondern der freie Raum lockt zur Füllung die Menschen an, er schafft sich sein Volk.
Beides muß sich ja nicht widersprechen, vielmehr dürfte beides zusammengewirkt haben. Es ist ja alles andere als Zufall, daß die Ostsiedlung im Hochmittelalter parallel zu einem starken Bevölkerungsanstieg stattfand, und die hauptsächlichen Quellgebiete im Westen, aus denen deutsches Volk in den Ostraum abfloß, die Rheinlande, Westfalen, Flandern, die Niederlande, waren die Gegenden Deutschlands, wo man sich damals schon gegenseitig auf die Füße trat. Der freie Raum selber wirkt dann in der Tat aus sich verstärkend und vermehrend. (Bleibt nur die Frage, wieso die Baiern schon so früh loslegten mit der Kolonisierung von Deutsch-Südost. Dieses originelle Völkchen wird halt besonders unternehmungslustig gewesen sein. )


Die Entwicklung der europäischen Bevölkerungszahlen im Mittelalter


Geschätzte Bevölkerungszahlen (in Millionen) in einzelnen Ländern in Spätantike und Mittelalter

(Verweis)
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Zitat:
Zitat von Nordgau Beitrag anzeigen
Je 200.000 direkt aus dem Altsiedelland fürs 12. und 13. Jahrhundert schätzt er also, wenn ich ihn recht verstehe. In großen Gebieten Hinterpommerns und in Preußen sogar in den größeren Teil des Landes sind deutsche Siedler überhaupt erst im 14. Jahrhundert eingerückt, muß man da bemerken. Die Siedler dürften hier aber wahrscheinlich überwiegend aus den erst frisch besiedelten Nachbargebieten gestammt haben.
Alles richtig. Kuhn rechnet mit 200.000 pro Jahrhundert. Zur weiteren Besiedlung:
Zitat:
Zitat von Kuhn
Im 14. Jahrhundert waren die deutschen Siedlungsfortschritte - es kommen im wesentlichen nur noch Ostpommern, Preußen, Polen, Ungarn und das Karstland in Frage - nicht mehr allzu groß. Sie konnten gut aus den vor 1300 erschlossenen Gebieten gespeist werden, selbst wenn man in Rechnung stellt, daß damals durch den zunehmenden Zug in die Städte und seit 1348 durch die periodisch wiederkehrenden Seuchen der Bevölkerungsdruck schnell geringer wurde.
Zitat:
Zitat von Nordgau
Kuhns Bilanz berücksichtigt wohl nur die mittel- und niederdeutsche Ostsiedlung, die im hohen Mittelalter einsetzte. Man darf darüber allerdings nicht die bairische Ostsiedlung vergessen, die bereits früher, vom 8. bis zum 11. Jahrhundert stattfand und durch die dem Oberdeutschtum umfangreiche Gebiete gewonnen worden sind.
So ist es:
Zitat:
Zitat von Kuhn
Über Thüringer Wald und Fichtelgebirge soll die Untersuchung nicht weiter nach Süden ausgedehnt werden. Im Südosten begann die deutsche Siedlung ja schon viel früher, bereits im 8. Jahrhundert, und ihr Ablauf zeigt weder zeitlich noch räumlich die Stetigkeit und Gleichmäßigkeit des Nordostens. Einer zahlenmäßigen Untersuchung stünden dort noch weit größere Schwierigkeiten entgegen.

Es sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass es später noch zu weiteren z. T. erheblichen Bevölkerungsverschiebungen kam, vor allem ausgelöst durch den Dreißigjährigen Krieg. Nach (Ober-)Sachsen, wo die Anzahl der relativ abgetrennt lebenden Sorben halbiert wurde, zogen böhmische Exulanten - vorwiegend Deutschböhmen aber auch Tschechen.

Teile Brandenburgs - besonders der Norden - mussten praktisch von Grund auf neu besiedelt werden. Zunächst kamen wieder (Nieder-)Sachsen, Flamen und Holländer, dann Salzburger, Schweizer, Württemberger, Pfälzer und Franzosen (letztere hauptsächlich nach Berlin).

Im heutigen Mecklenburg-Vorpommern kam es in der 160-jährigen Schwedenzeit zu wechselseitigen Bevölkerungsbewegungen mit dem schwedischen "Mutterland". Rügen erlebte weitere dänische Zuwanderung, allerdings war diese vergleichsweise gering.
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Ich habe heute das Buch auch bekommen und habe es sofort quer gelesen. Es ist ein sehr gutes Buch. Ich bin ja vom Grundsatz her Laie was die Anthropologie anbelangt. Positiv überrascht war ich, dass der Autor auch auf historische Umstände zurückgreift, wobei man hier ja im Forum gerne als Kokoloreserzähler abgetan wird. Vieles was der Autor erklärt, auch mit genetischen Unetrsuchungen, hat mich als Geschichtskenner nicht wirklich überrascht, bzw. war mir eigentlich schon klar. Allerdings kann ich jetzt historische Tatsachen auch noch schön mit anthropologischen Studien untermauern.

Man könnte natürlich noch mehr Details anführen und es kann bei so einem Buch nicht wirklich davon ausgegangen werden, da es ja Umfangreich berichten soll. Allerdings möchte ich noch auf etwas, Deutschland betreffend, hinweisen.

Allerdings möchte ich noch einiges anführen, was gerade Süddeutschland betrifft. Gerade zB den Schwarzwald, wo früher, wie im Buch erwähnt, die Existenz der romanisierten Bevölkerung verneint wurde. Jetzt vetritt der Autor die neuere These, dass dort tatsählich die romanisierte Bevölkerung sitzen geblieben wäre.

Als Indiz werden breitköpfige Leitbewaffnete angeführt. Hierbei wird es sich wohl um sog. Halbfreie (liti) handeln. Diese haben nicht die gesamten Rechte erhalten wie die Freien, somit auch nich gänzlich zum Heiratsmarkt Zugnag und dazu kommt noch schlechtere Nahrung zB weniger Fleisch etc. Da diese oft auch Nachkommen ehemaliger Kriegsgefenager sein können, ist es natürlich gut möglich, dass sich im Tross der Germanen diese befuden haben. Sie aber als Indiz für eine regionale Bevölkerung, zumal ja auch nur sporadisch vetreten, herzunehmen halte ich für etwas gewagt.

Nun der springende Punkt, gerade zum Schwarzwald und weshalb dort romanische Wörter noch bis in 9 Jahrhundert erhalten blieben und die bevölkerung sich antrhopolgisch unterscheidet.

Als die Alemannen aufbegehrten, kam es 746 zum Cannstatter Blutgericht, hier wurde der gesamte alemannische Adel von den Franken hingerichtet. Als Resultat dessen, wurden in manchen besonders aufmüpfigen Gebieten vor allem Schwarzwald ganze Dörfer einfach umgesiedelt und mit Franken, die links des Rheines saßen ersetzt. Diese Franken waren natürlich bereits mit der Bevölkerung Galiens in Kontakt getreten. Deshalb der Unterschied. Es gibt genug hitorische Lieratur, die dies beschreibt. Somit stellen diese "dunklen Flecken" m.E. die Umsiedlungspolitik der Franken nach, als eine provinzialrömisches Überbleibsel. gerade auch aus archäologischer Sicht kann man nämlich oft feststellen, dass diese bevölkerung hauptsächlich geflohen ist, zB vergrabene Münzen etc.

Alles in allem aber ein wirklich ausgezeichnetes Buch und ich lese es jetzt gleich weiter...sehr interessant...
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Hat vielleicht jemand das Buch als PDF Datei?

Danke

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